Presse

Waldhalla

ROST & BORKE

Afterlife

Unter dem Namen Rost & Borke begibt sich eine neue, wenn auch zum Teil aus alten Hasen bestehende Truppe auf eine musikalische Pilgerfahrt, auf der Suche nach dem Stoff, mit dem sich eure Ohren nach bestmöglicher Metal-Art und -Manier vermöbeln lassen. Vielfältig von zahlreichen Favoriten wie Bathory, Asphyx, Black Sabbath, Bolt Thrower oder auch Manowar – um nur einige zu nennen – jahrelang beflügelt, möchte man nun selbst Nägel mit Köpfen machen. Und mit dem drei Tracks umfassenden Demo „Afterlife“ gibt man bereits einen frühen Eindruck ihrer scheinbar sehr übermotivierten Fähigkeiten, welche jedoch wohlwollend zeigen, wohin die angetretene Reise führen könnte. Der erste Track „On Defensive Shores“ ist schon ein ausgesprochen kauziges Stück Musik, mit unbändigen, aber dennoch nach einem erkennbaren Muster holpernden Gitarrenbeats, bei welchen die Vorstellung von einem ums Feuer tanzenden Rumpelstilzchen nicht weit hergeholt ist. Kein Scherz, solch unkonventionelle Klänge lassen einen unweigerlich an so etwas seltsames denken, von mir aus auch an eine Goblin-Polka oder einen wilden Kamelritt, denn es ist mehr als offensichtlich, dass man hier eine recht ungewöhnliche Kost geboten bekommt, eine, die noch etwas anders als anders ist. Aber gerade dies macht die Sache auch so spannend wie Sindbads Abenteuer, wenn wir schon beim holprigen Kamelritt sind. Der zweite Song „The Day I Died” schlägt dafür voll in die klassische Death/Doom-Kerbe. Bei dem hier vorherrschenden, sich mühsam dahinwälzenden Schneckentempo kommt auch der Gesang von Odrogath Da Vyr (Was für ein Name! Definitiv auch nicht von der Stange!) viel besser zur Entfaltung. Abgrundtief dröhnend ist er, dazu mit einem todesschwangeren Beiklang behaftet, natürlich dem Songtitel dienlich, um zusammen mit den berieselnden Gitarren eine leicht morbide Nuance auf den Hörer zu übertragen. Der Titeltrack ist ähnlicher Natur, allerdings zum Ende hin auf einer an Black Sabbath und Co. erinnernden Gitarrenspur unterwegs. Alles in allem ist „Afterlife“ – den rumpelnden Kellersound einer Demo-Aufnahme nicht ins Gewicht werfend – eine recht charmante Angelegenheit, die auf eine schöne Doom-Überraschung in nächster Zukunft hoffen lässt. Und gegen einen wilden Akustikritt dürfte wohl keiner etwas auszusetzen haben, oder?

Geschrieben von Adam am 8. April 2022

 

Rock Hard # 418

ROST & BORKE

Afterlife (13:29)

Bei ROST & BORKEs Gerumpel werden Erinnerungen an den frühen ostdeutschen Extrem-Metal-Untergrund wach, und tatsächlich kommt die Band aus dem Dunstkreis der Frühneunziger-Helden Under Black Clouds (siehe Ars-Metalli-Artikel in Heft 414). „Afterlife“ bietet dreimal zähen Death Metal mit Proberaum-Flair und völlig unkonventionellen Songstrukturen, worum einschlägige Labels einen weiten Bogen machen dürften. Umso mehr freuen sich altgediente Szenegänger über diesen völlig aus der Zeit gefallenen Sound; das nach der Aufnahme umbesetzte Quartett verspricht, dieses Demo sei nur ein Vorgeschack von etwas Großem, und als solcher macht es eine Menge unkommerziellen Spaß.

Erhältlich ist „Afterlife“ als limitiertes Tape oder CD-R über www.rostundborke.com

Andreas Schiffmann

 

Twilight Magazine

ROST & BORKE – Afterlife

ROST & BORKE, das ist einer der ungewöhnlichsten wie vielversprechendsten Bandnamen, der mir in den vergangenen Jahren untergekommen ist. Und nicht nur Name und Logo klingen und sehen verlockend aus. Auch das Artwork und der Titel “Afterlife” wecken gewisse Erwartungen und Assoziationen an ungeschliffenen Doom-, Death- oder Gothic Metal der 90er Jahre. Da konnte und wollte meine Wenigkeit einem Review einfach nicht widerstehen.

Die Formation hat ihre Wurzeln in Brandenburg und Thüringen und wurde 2020 gegründet. Offiziell hat man sich dem Epic-Death und Doom Metal verschrieben. Unter den Einflüssen tauchen in der Bandinfo eine ganze Reihe einschlägiger Hochkaräter und Szene-Urgesteine auf. Das vorliegende Demo “Afterlife” wurde im Mai 2021 mit einem Gastgitarristen aufgenommen. Mittlerweile sind vom Aufnahme-Line-Up lediglich Bassistin Merula Turdus sowie Sänger Odrogath Da Vyr dabei. Ein neuer Tonträger ist in Arbeit.
Doch zurück zu “Afterlife”.

Meine hohe Erwartungshaltung wurde nach den ersten Tönen und Takten ziemlich unsanft mit der Realität konfrontiert. Der Realität eines Mittvierziger-Möchtegern-Schreiberlings, der irgendwann aus Einsicht (?) und Selbsterkenntnis (?) über die eigenen musikalischen Fähigkeiten Pleks und Mikro gegen Stift und Tastatur eingetauscht hat und sich beim ersten Durchlauf fragt, ob man ein Demo wie “Afterlife” in Zeiten, in denen der Underground vor ungeschliffenen Rohdiamanten unzähliger Bands geradezu überquillt, tatsächlich noch veröffentlichen muss geschweige denn sollte. Der Opener“On Defensive Shores” ist ein dreckiger Uptempo-Stampfer mit Rock ´N` Roll-Schlagseite, der neben den Leads vor allem mit den kehligen Growls von Odrogath Da Vyr punktet. Der Sound hat eher besseren Rehearsal-Charakter und ist so ungeschliffen und roh wie undifferenziert und breiig. Heraus sticht der knarzige Bass von Merula Turdus, der über alle drei Tracks eine tragende Rolle einnimmt. Wobei man zunächst das ziemlich abrupte Ende von “On Defensive Shores” verkraften muss. Das kommt quasi ohne Vorwarnung und wirft die Frage auf, ob das Unfall, technischer Fehler oder tatsächlich so gewollt war? Doch für Irritation bleibt keine Zeit. “The Day I Died” schleicht sich hinterhältig durchs Unterholz und führt dabei nichts Gutes im Schilde. Dieser vertonten Niedertracht geht man besser nicht nur angesichts des diesmal weniger überzeugenden etwas schwachbrüstigen Krächzgesang von Odrogath aus dem Wege. Der abschließende Titeltrack “Afterlife” ist  einmal mehr schleppend und kommt getragen daher, dafür wartet er jedoch mit einer fast andächtigen und hymnischen Atmosphäre auf.

Eine klare Linie erkenne ich irgendwie nicht und eigentlich wäre dieses Demo fast prädestiniert für einen klassischen Verriss. “Afterlife” erscheint” mir objektiv musikalisch in jeder Hinsicht verzichtbar und unessenziell. Allerdings trotzt mir die fast naive Überzeugung, etwas so Unvollkommenes einfach rauszuhauen wiederum Respekt ab. Es versetzt mich zurück in eine Zeit, in der ein zwanzigjähriger Metal-Head ohne Rücksicht auf Verluste gefühlt mehr Zeit in Proberäumen, Clubs und Kneipen auf und vor Bühnen verbrachte, als in der ersten eigenen Wohnung. Die große weite Metal-Welt hatte nur auf uns gewartet und stand uns wenigstens versifft, verraucht, vor Schweiß triefend und mit gefühlten 6,66 Promille auf dem Kessel auf Konzerten offen. Diesen Charme verkörpern ROST & BORKE für mich auf “Afterlife”. Das zeugt von Hingabe, vielleicht sogar Selbstüberschätzung aber eben auch von Haltung, die mir in dieser Form vertont wesentlich mehr bedeutet, als eine überteuerte, totproduzierte, musikalisch genausowenig relevante Picture-Single von Amon Amarth…

Only Tape Is Real!!!

  • Erstellt am: Sonntag, 20 März 2022

  • Label: Eigenproduktion

  • V.Ö.: 01 Februar 2022

  • Spielzeit: 13:20

 

Rock Hard # 414.