Razor – Cycle of Contempt

Razor – Cycle of Contempt
Relapse Records
43:02
Thrash Metal

Niemand mag schlecht gelaunte Kneipenschläger, jedenfalls wenn man selbst in jener Kneipe sitzt.
Als Schreihals hinterm Mikrofon einer Thrash Metal Band ist das aber etwas ganz Anderes; na ihr ahnt es schon: es geht um Kanadas Abrisskommando RAZOR.
Ganze 25 Jahre mussten wir auf das neue Werk warten, und es hat sich gelohnt; aber sowas von.
Wichtigste Neuerung: Es gibt keine! Was für eine schmackhafte Nachricht in dieser irren Zeit.
Auf ein kleines, kultiges Intro folgt mit „Flames of Hatred“ die erste Granate, es kommen elf weitere von ähnlichem Kaliber, wobei mir gerade „First-Rate Hate“ besonders positiv auffällt.
Aufgrund der weitgehend hallfreien Produktion klingt der sau-fiese Gesang von Bob Reid so direkt, als spräche er dich persönlich an, und zwar ein letztes Mal, bevor du den dumpfen Geschmack deines eigenen Blutes im inneren Gesichtsbereich verspürst.
Wir reden über Razor, also ist es vollkommen in Ordnung, dass sich das Drumming auf jeder beliebigen Skala am entgegengesetzten Ende von Mike Portnoy befindet und manchmal ein bisschen an ein hysterisches Metronom erinnert. Passt wie Kopf auf den Eimer!
Die Gitarren schmettern vom Feinsten, die Riffs sägen. Und wer ab und an mal eine Tonfolge etwas beliebig findet, heißt wahrscheinlich Heino mit einzigem Namen.
Gitarrensoli sind bisserl unspektakulär, doch treffend; und ganz ehrlich, in den Songs herrscht so viel Action, dass hier weniger wahrscheinlich wirklich mehr ist.
Cover old school, Texte, na ihr ahnt es schon, extrem unangenehm, und das vom Allerfeinsten. Rache, Schläge, Mord und so.
Es ist das Gesamtkunstwerk, das begeistert. Brutal, aggressiv, gehetzt, nackenwirbelbrechend, direkt und absolut ehrlich. Watt willste mehr?!?!

(m)

 

Seven Sisters – Shadow of a Fallen Star Pt. 1

Seven Sisters – Shadow of a Fallen Star Pt. 1
Dissonance Productions
40:09
Heavy Metal

Ach, es erscheinen so viele Alben heutzutage, und ich muss zugeben, dass ich ohne den fantastischen Iren Máirtín Mac Cormac wohl kaum Notiz von dieser englischen Band genommen hätte. Was ein unbeschreiblicher Verlust für mein ganzes weiteres Leben gewesen wäre, wie ich nun weiß.
Das Album beginnt mit einem nicht zu langen, einladenden Intro. Majestätisch und episch, das macht Freude auf mehr.
„Beyond the Black Stars“ glänzt mit vielen gelungenen Tempowechseln und einer progressiven Atmosphäre, erinnert mich dadurch ein ganz klein wenig an die hochverehrten Secrecy aus Bremen.
Und dann geht es richtig los: „The Artifice“ ist das schönste, anmutigste Lied – versucht, mir zu glauben! – seit Warlord‘s „Lost and Lonely Days“. Was für Meister ihres musikalischen Fachs!
Die Kinnlade klappt herunter, mein Herz glüht, ich höre das Album fast jeden Tag.
Und ich schwöre euch, das weitere Material lässt nicht nach! Jedes einzelne Lied ist eine Hymne, bestückt mit Epic, Dramatik und Melancholie, getragen von Kyle McNeill‘s glasklarer, angenem hoher Stimme.
Dass jeder Musiker der Band sein Instrument grandios beherrscht, jedoch an keiner Stelle eine nicht songdienliche Note erscheint, muss kaum noch erwähnt werden.
Die Produktion ist klar und druckvoll – zeitgemäß, nicht modern; und an dieser Stelle soll das anheimelnd blaue SciFi Coverartwork nicht unerwähnt bleiben!
Die beiden älteren Bandalben werden meine nächste Anschaffung sein; vor allem jedoch frohlocke ich, weil dieser Albumtitel hier ein „Pt. 1“ beinhaltet. Nachschub ist also in Aussicht!
Könnte doch das Leben immer so schön sein wie während dieser vierzig Minuten Höhrgenuss!

(m)

 

The Troops Of Doom – Antichrist Reborn

 

The Troops Of Doom – Antichrist Reborn
Alma Mater Records
47:05 min
Thrash Metal

Wenn ihr zuhause Sepultura auflegt, muss es scheppern und krachen, und die Jahreszahl auf dem Cover darf nicht größer als 1989 sein?
Dann ist das hier euer Album!!!
Der fantastisch gereifte Jairo „Tormentor“ Guedz (zupfte schon auf den ersten beiden Sepultura-Vinylen die Saiten) und seine Mannen Alexandre Oliveira (dr), Marcelo Vasco (g) und Alex Kafer (voc + bg) werfen nach zwei gutartigen EPs einen solch gewaltigen Longplayer auf den Teller, dass jedem geneigten Fan vor Freude der Gaumen tropft.
Benannt hat sich das Ensemble nach einem Lied von „Morbid Visions“ und – noch viel besser – das Debütalbum ausgestattet mit einem an „Bestial Devastation“ angelehnten Artwork.
Eine kleine Einleitung … ehhh, leitet den ersten Song „Dethroned Messiah“ ein, und Sekunden später jagt euch, liebe Freundinnen und Freunde, das manifestierte Fegefeuer durch die Gehörgänge, reißt gleich Herz und Seele mit. So muss gehackt werden, so werden Nacken gerüttelt und Haare geschüttelt, hier stimmt alles in puncto Geschwindigkeit und Härte.
Der gepresste Gesang im Stil alter Sep‘s verkündet blasphemische Botschaften, passt alles ganz prima.
Dass Peter Tägtgren hier einen angenehm vollen und natürlichen Klang hinzaubert, in dem echte dreschende Drums auf fette Slayergitarren treffen, bekräftigt seine Behauptung, dass die oftmals klinisch klingenden Produkte aus seinem Hause nicht ihm geschuldet sind, sondern den Wünschen der Bands bzw. gar deren Labels.
„Grief“ ist ein angenehmes kleines Instrumentalstück, doch – Donnerwetter nocheinmal!!! – schon geht es weiter mit der Dampframme „Pray into the Abyss“.
Auffallend sind auch der hohe Abwechslungsreichtum im Songwriting, und das bei diesem Tempo und Härtegrad, sowie die unaufdringliche, schöne Dramatik zeichnende Melodiegitarre, die oftmals so angenehm die Stimmung verdunkelt. Wer genau hinhört, erkennt im 9. Lied „A Queda“ übrigens die Stimme von Joao Gordo der wundervollen Ratos de Porao.
Angereichert wird das Album noch durch zwei Coverversionen: „Necromancer“ von Sepultura sowie „The Usurper“ von Celtic Frost.
Tormentor: schön, dass du wieder da bist!

(m)

 

Boarhammer – I: Cutting Woods for Magickal Purposes

 

Boarhammer – I: Cutting Woods for Magickal Purposes
Demotape / Eigenproduktion
29:46 min
Black Metal

Das dunkle Duo Boarhammer hat eine Kassette veröffentlicht, die mich vor Freude im Dreieck springen lässt. Black Metal in seiner reinsten Form steht auf dem Programm; es scheppert und rappelt ordentlich, was durchgehend als Kompliment zu verstehen ist.
Die Band vermeidet dankbarerweise jede Soundpolitur, und hinter der rauen Schale erscheinen verzaubernde Gitarrenläufe und schön headbangige Rhythmen.
Der Gesang klingt gar nicht mal wirklich genau so, erinnert mich aber von seiner Art her an Tschösi auf den beiden für die Ewigkeit legendären ersten Messiah Alben.
Überhaupt entsteht hier ein wunderbares Old School Gefühl; die Musik klingt, als hätte man 1996 eine Black Metal Kassette einer guten, aber unbekannten Band bestellt, und zwar nicht in Skandinavien, sondern eher in Osteuropa oder so.
Recht so!
Alles an diesen wundervollen dreißig Minuten klingt authentisch, dunkel, seriös und gefüllt mit glühendem metallischen Herzblut.
Auch die Attitüde bereitet Freude, kurz gefasst möchte man mit beispielsweise Rassismus, Misogynie, Sexismus, Faschismus nichts zu tun haben.
Die sechs interessanten und hochwertigen Eigenkompositionen werden noch von einer ungewöhnlich, aber toll umgesetzten Mercyful Fate Coverversion abgerundet.
Herz, was willst du mehr.
Stand März 2022 sollten noch ein paar Tapes zu bekommen sein, also husch husch auf zum Bandcamp!
https://boarhammer.bandcamp.com/album/i-cutting-wood-for-magickal-purposes

(merula)

Scorpions – Rock Believer

 

Scorpions – Rock Believer
Vertigo
44:31 min
Hard Rock / Heavy Metal

Um Himmels Willen, was soll denn das für ein Cover-Un-Artwork sein?!
Liebe Scorps, diese Scheibe wird sich, Downloads eingeschlossen, bestimmt mehrere Hunderttausend mal verkaufen, ist das erste offizielle Album seit sieben Jahren und bestimmt hattet ihr auch eine(n) Berater(in), oder gar zwei, für diese ersehnte Veröffentlichung.
Und dann eine schreiende Frau mit einer Tüte oder Gardine überm Kopf?
Zugegeben, das ist nicht das schlimmste Cover eurer großartigen Karriere, doch als Kompliment ist das bitte nicht zu verstehen.
Das mit den Komplimenten beginnt genau jetzt, denn alls andere an diesem Album ist einfach großartig.
Jeder einzelne Song ist ein mittlerer bis guter Hit. Dass kein Welthit dabei ist, bestätigt eher den sehr gehobenen Durchschnitt dieses immerhin Weltklasse-Albums.
Abzüglich besagter Balladen und globaler Schlager, erinnert „Rock Believer“ am ehesten an „Love at the first Sting“ und gar „Black Out“, aber mit einem sogar noch wärmeren Rock Sound versehen.
Nach dem stimmungsvollen Abgeher „Gas in the Tank“ und seinem Nachfolger „Roots in my Boots“ folgen auch melancholischere Lieder wie „Knock em Dead“ oder „Call of the Wild“ im Wechsel mit herzerwärmenden, optimistischen Rockern wie dem Titelsong und dem wohl größten Knaller des Albums, „Peacemaker“. Und ja, das letzte Lied ist eine Ballade. Sie heißt „When you know (Where you come from)“ und orentiert sich definitiv an keiner Hitparade dieser Welt.
Bewundernswert.
Das Album gibt es auch als limitierte Doppel CD mit Studio-Bonustracks. Kann man haben, aber der Hörgenuss wird auch kein Deut schlechter ohne.
Abschließend eine persönliche Entschuldigung.
Scorps, nachdem der Death Metal aufkam, und erst recht, nachdem Mitte der 1990er Jahre der quasi-elitäre Black Metal mich gefangennahm, stieg ich ein in den Chor, der euch verhöhnte und verbal zerfetzte, ich machte mich lustig über euer gefühlt altbackenes Image und den Akzent von Klaus. Als wären nicht der griechische Akzent von Nana Mouskouri und der französische von Mireille Mathieu gerade erst der Kaufanreiz für Millionen Fans im deutsschprachigen Raum.
Dabei wollte ich doch nie mit dem Strom schwimmen. Aber gut, ich besann mich vor einigen Jahren wieder, dachte an all die Momente in den 1980ern, als die Band „Eisenherz“ aus Frankfurt (Oder) am Strand des Helenesee live „Big City Nights“ spielte und ich mit Netzhemd und Röhrenjeans in den Spagat ging und headbangte, dabei Luftgitarre spielte, was nur das Zeug hielt.
Scorpions, ich liebe euch. Für immer.

(merula)

Arcane Sun – Arcane Sun

 

 

Arcane Sun – Arcane Sun
Sentinel Records
64:13 min
Epic Death / Doom Metal

Na gut, das hier ist eigentlich keine wirkliche Neuveröffentlichung, aber eine angemessene Würdigung dieses sträflich unterbewerteten Albums tat bitter Not , und da das rührige Label Sentinel Records von Brian Taube ganze Arbeit leistete, dem Debutalbum der Dubliner Metal Vorreiter ein neues Coverartwork, einen Bonustrack sowie einen viel besseren Sound verpasste, und viele etwas jüngere Metalheads das lange vergriffene Album sowieso nicht kennen, ordne ich es einfach mal unter „neu“ ein.

Das durchweg hochklassige bis ausgezeichnete Songmaterial besticht durch große Vielfalt und progessive Strukturen, alles jedoch immer headbangerfreundlich und nie verkopft.
Glaubt man im ersten Lied „Canto I (The Search)“ noch freundlichen, etwas kumpelhaften Death Metal mit wohligen Melodien zu erkennen, wechselt das Bild mit dem anschließenden „I Was Alive Then …“ zu großer Epik und schicksalsgeladener Dramatik. Und übrigens hat man kaum jemals vorher (und auch nicht nachher) einen so interessant inszenierten Songübergang bzw. Anfang gehört.
„Sundrenched“ beginnt als heftiger Death Metal Nackenbrecher, bevor sich das Stück in Melodie und Melancholie kehrt.
Neben der überragenden Gitarrenarbeit von Mr. Fergal Flannery muss auch Mark Higgins‘ superbes, und im neuen Sound viel druckvoller klingendes, Schlagzeugspiel hervorgehoben werden.
Klavierpassagen und Naturgeräusche wechseln sich ab, wie es getragener Doom, deftiger Death und anmutiger Epic Metal tun.
Und über allem thront die unverwechselbare Stimme von Paul Kearns, der etliche Jahre später den legendären Solstice zu best gesungenen Platte ihrer Karriere verhalf.
„Promised (So Many Years Have Passed)“, der reguläre Abschluss des Albums, bringt noch einmal das gewaltige Potential der Iren zum Ausdruck, die sich leider nach einem mehr oder weniger unveröffentlichten Zweitwerk aufgrund mangelnder Unterstützung auflöste.
Der Bonustrack vom von der Band (bzw. Paul) ungeliebten Albumnachfolger beschließt diese wundervolle, grenzenbrechende CD.
Paul Kearns und Fergal Flannery, bitte tut es wieder!!!!

(merula)

Categories: Neu

Fornhem – Stämman Från Berget

Fornhem – Stämman Från Berget
Trollmusic
49:11 min
Viking / Black Metal

Roher Sound und große Melodien bilden nicht nur eine schönes Paar, sondern auch einen angenehmen Kontrast zu War Metal auf der einen und Symphonic Wacken Metal auf der anderen Seite.
Bestes jüngstes Beispiel sind Fornhem aus Norrköping, deren Erstling „Ett fjärran kall“ schon zu begeistern wusste, das vorliegende zweite Album jedoch sofort in die erste Liga meines Herzens aufschloss.
Mit knisterdem Feuer und düsterem Lachen beginnt der Opener „Den Längsta Dagen“, ein prächtiges Stück Viking Metal in seiner machtvoll stampfenden Midtempo-Form.
Das ebenso schlichte wie vollkommen ergreifende Gitarrenthema wird geistvoll weiterentwickelt. Ganz langsam, Stück für Stück immer dramatischer und ausgefeilter, leitet es in den rasend schnellen Mittelteil des Liedes über.
Unterstützt von pumpenden Drums, einer krächzenden Gesangsstimme und einem rohen, doch transparenten und erst recht druckvollen Sound geht dieser Song, geht dieses Album tief unter die Haut.
Elf Minuten dauert dieses Wunderwerk, bevor es die Tore öffnet zum schnellen Nackenbrecher „Uþarba spa“, bei dem ein weiteres Mal die tolle Schlagzeugarbeit auffällt.

Flirrende Gitarren und melodische Bassgitarren-Akzente kündigen „Förlist“ an, ein zehnmütiges, repetitiv-meditatives Epos der Sonderklasse. Gerade dieses repititive Element bringt mich, ähnlich „Hvis lyset tar oss“, schon fast zur Extase.
Der anschließende Titelsong legt dann wieder mit einem Tempo los, dass mir nur ein breites Wohlfühllächeln im Gesicht stehen bleibt. Junge, wenn deren Drachenboot so abgeht, dann überholen sie den schärfsten Nordwind, ohne mit der Wimper zu zucken!
„Untergang“ lautet der Name des abschließenden Werkes dieses Albums, ein packendes Stück Musik, ein Instrumental, von dichter, spannungsgeladener Dramatik, besonders auffällig hier die schaurigen, unheilverkündenden Trommeln des Schicksals.
Selbstverständlich für Trollmusic, ist die Musik in einem ansprechenden Äußeren verpackt, und der tolle Sound wurde vom Meister Devo Andersson perfekt gezaubert.
Es gäbe noch so viel zu erzählen zu diesem Album, aber ihr wisst schon, was Frank Zappe sagte: Über Musik zu schreiben ist, wie über Architektur zu tanzen.
Weshalb ich mich jetzt noch schnell aufmache zu einer Stunde Polka im Kreiskulturhaus, und ihr könnt euch derweil dieses Album zulegen.

(merula)

Count Raven – The Sixth Storm


Count Raven – The Sixth Storm
I Hate
73:32 min
Heavy Doom Metal

Sänger Dan Fondelius als Ozzy Plagiat zu bezeichnen, ist ebenso unangebracht wie jegliche Vergleiche zu den düsteren Birminghamern zu leugnen.
Count Raven klingen eigenständig und, mal nebenbei gesagt, auch absolut großartig, aber beim Anhören ihres neuen (sechsten) Albums kann man sich nicht dagegen wehren, über das Thema nachzudenken.
Wenn überhaupt vergleichen, dann wirklich mit den ersten fünf Black Sabbath Alben, oder nicht sogar eher mit den ersten drei Ozzy Alben? Schande über den, der diese drei Werke gegenüber der Mutterband abfällig behandelt.
Nun denn, das neue Langeisen beginnt mit grandiosem Doom Metal der Heavy Metal rockenden Art – dass die Band ihren Doom weit entfernt von den Extremen Funeral und Death Doom zockt, dürfte bekannt sein.
Deftige, packende HEAVY Riffs treffen auf stimmige Refrains, und das alles vortrefflich verpackt in einen zermalmenden Sound, der nicht ein bisschen modern und doch so kraftvoll und klar klingt.
Hervorragend!
Im ersten Teil, um auf das Eingangsthema zurückzukommen, eher Black Sabbath, bis das vierte, außergewöhnliche und untypische Lied „Heaven‘s Door“ die geneigte Hörerin ganz berüht zurücklässt.
Ab da wird es, wenn ich das bitte so sagen dürfte, noch Ozzy-hafter im Sinne seiner frühen Solo Alben.
Also einerseits hitverdächtiger und Refrain orientierter.
Aber speziell, wer in seinem Leben schon einmal längere, schwere und schlimme Zeiten in ungesunder Beziehung zu Substanzen durchlebt, durchkämpft hat, sieht die frühen Ozzy Platten noch einmal in einem ganz anderen Blickwinkel als es der glückliche Durchschnittsbürger tut.
Diese Balance, diese Paarung aus zutiefst tragischen, traurigen, bitteren Parts mit dem kleinen Lächeln obendrüber. Betroffene wissen, was ich meine.
Auf diese Art dramatish und melancholisch wendet sich also das Liedmaterial ein wenig und findet im ergreifenden „Baltic Storm“ einen glänzenden Höhepunkt, für den allein ich die Platte schon kaufen würde.
Auf das lange und epische „Oden“ folgt der letzte Song „Goodbye“, und hinterlässt die Verfasserin dieser Zeilen sprachlos, mit salzhaltigem Wasser in den Augenwinkeln.
Erinnerungen werden wach, Songtitel wie „Changes“, „So Tired“, vor allem aber auch „Alone You Breathe“ (Savatage) drängen sich auf.
Brillant.

(merula)

Helheim – WoduridaR

Helheim – WoduridaR
Dark Essence
57:14
Black / Viking Metal

Helheim aus Bergen haben ein neues Album veröffentlicht, was ansich schon Grund genug zur Freude ist. Mit diesem, ihrem elften, Longplayer haben sie sich allerdings einen solch großartigen Meilenstein ins Œuvre gehievt, dass es sich lohnt, ausreichend Brennholz für ein ganzes Freudenfeuer zu sammeln.
Nach einem kurzen Quasi-Intro startet das Album fulminant mit der Hochgeschwindigkeits-Hiebwaffe „Vilje av Stål“. Mit einem mörderischen, zwanzigsekündigem Schrei beginnt ein Feuerwerk an Drumming und wilden Gitarren, die aber recht bald in – noch immer hochtempoige – melodiöse Gitarren und reizvollen Wechselgesang zwischen harsch und klar übergehen.
Anbetungswürdig! Klingt so dermaßen nach bestem Mittneunziger Norse Viking / Black Metal, wie es sogar Helheim selbst seinerzeit kaum hinbekamen.
Weiter geht es mit „Forrang for fiede“ mit weiterhin hohem Musiziertempo, das jedoch innerhalb der einen jeden Blackmetaller glücklich stimmenden Geschwindigkeit reichlich Abwechslung sowie recht progressive Gitarren und ulveresken Bergtatt-Gesang bietet.
Der nun folgende Titeltrack vertieft das alles noch und setzt neben einer sehr gelungenen Singstimme auf eine hinreißende, melancholische Grundstimmung und Stilmittel wie unheilverkündende Trommeln.
Als wäre Abwechslung auf diesem Album nicht sowieso schon ganz groß geschrieben, lockt „Åndsfilosofen“ sogar mit erhabenen bitter-süßen Refrains, die mich fast ein wenig an eine schwarzmetallische „Sistinas“ Version erinnern. Klasse!
„Ni s solu sot“ startet mit sehr melodischen Gitarren und ist allgemein etwas ruhiger gehalten, dafür um so epischer. Richtungsweisend für den weiteren Verlauf von WODURIDAR, denn das Album wird zunehmend bedächtiger und epischer, endend schließlich im getragenen, hymnischen „Det kommer i bølger“. Irre ich mich, oder paart die Band hier überaus gekonnt Bathory / Viking Epic mit Americana bzw. Dark Country?
Hört es euch an und bildet euch eine Meinung.
Kaufen, oder wenigstens anchecken!

(merula)

Fluisteraars – Gegrepen Door de Geest der Zielsontluiking

Fluisteraars – Gegrepen Door de Geest der Zielsontluiking

Eisenwald

35:35

Black Metal

Am Vorgängeralbum „Bloem“ schieden sich die Geister – ich liebte es derweil, bevor ich auch nur den ersten Ton gehört hatte. Eine Black Metal Platte mit einer Blumenwiese auf dem Cover, das wollte ich schon immer!

Scheiden werden sich die Geister auch an „Gegrepen Door de Geest der Zielsontluiking“ wieder, doch vielleicht eher nicht an der warmen, lichterfüllten Atmosphäre des Vorgängers, sondern an der wirklich ausgelassenen Experimentierfreude ihres Neugeborenen.

Wollen wir mal drüber reden?

Nach einigen kurzen Trommelschlägen beginnt „Het overvleugelen der meute“ mit rasendem Tempo, flirrenden Gitarren mit schön viel Hall und voller herzergreifender, melancholischer Dramatik und sofort einsetzendem Gesang von Bob Mollema, der sich übrigens keifenderweise in genau die richtige Richtung entwickelt hat.

Das Stück wechselt auf genau die richtige Weise ab und an die Tempi, die letzten beiden Minuten bestehen dann aus eher experimentellen Klängen.

Es ist nicht so, dass das Lied ohne diese beiden Minuten mir nicht gefallen würde – Spaß macht das Zuhören und sich Hineinfallenlassen trotzdem.

„Brand woedt in mijn graf“ startet nahtlos im Anschluss und schlägt so ganz ungefähr in die Kerbe des ersten Liedes, was durchaus als großes Kompliment gemeint ist.

Drittes von drei Stücken ist der 20-Minüter „Verscheuring in de schemering“, und hier täte man der Band unrecht, würde man den experimentellen Teil des Liedes als Beiwerk betrachten – ist er doch mit all seinen überraschenden, auch nicht immer (glücklicherweise) einfach nachzuvollziehenden Schwenken und Wechseln, mit seiner abenteuerlichen, spacigen Instrumentierung und der spirituellen Stimmung essenzieller Bestandteil des Liedes. Das auch in seinem schwarzmetallischen Sektor zutiefst begeistert.

Und da wir gerade über Begeisterung reden – der bissige Bass gefällt mir im angenehm transparenten, differenzierten Gesamtsound ganz besonders, die Gitarren sind edel-schwarz, der Gesang gereift und teils vom Allerfeinsten richtig hysterisch hoch kreischend, die Drums gut und songdienlich. Schönes Cover und Booklet auch!

P.S. Wer schon immer wissen wolltet, wie richtige Könner ein Rock n Roll Riff mit minimalistischen Variationen in kürzester Zeit in ein Epic Black Metal Riff verwandeln, lauscht „Verscheuring in de schemering“ ab 12:45 min.

(merula)