Norman Glatzer und Vanessa Braun – Mittendrin im Draußen

 

 

Norman Glatzer und Vanessa Braun – Mittendrin im Draußen
Pilze, Pflanzen und Tiere direkt vor der Haustür
Allegria / Ullstein 2022
16,90 € (D)

NaturfreundInnen, Selbstversorgende, Sammler*innen und Waldläufer kennen und lieben natürlich schon lange den fantastischen „Buschfunkistan“ YouTube-Kanal, und so war die Spannung groß, als kurz vor dem 3. Geburtstag des Kanals das erste Buch des dynamischen Duos erschien.
Wird es ein Fach-, ein Sach-, ein Lach- oder ein Mach-Buch?
Na alles das, natürlich!
Mit ihrer eigenen und typischen, warmherzigen und detailverliebten Erzählweise, gespickt mit Humor, der auch mal sehr schwarz sein kann, berichten Vanessa und Norman in drei großen Kapiteln („Auf in die Natur“, „Wunderliche Lebensformen im Busch und Spiegel“, „Verschmelzung mit dem Draußen“) und in vielen einzelnen Abschnitten von glaubhaften und unglaublichen Angelegenheiten aus der heimischen Naturwelt, gewürzt mit Anekdoten und sachdienlichen Hinweisen.
Und etwas geschah mit mir beim Lesen dieser sehr zugänglich verfassten 250 Seiten:
Es ist gut sieben Jahre her, dass ich aus dem unbeschreiblich lautstarken Gewusel Kern-Berlins auf‘s Land zog, in eine Siedlung mit nicht mehr als ein paar Häusern, einem Solarfeld, einem geschlossenen Friseurladen sowie mehreren Hunden und Katzen.
Wie groß war damals meine hingebungsvolle Liebe zu Mutter Natur! Jede freie Minute nutzte ich, um auf Knien über eine Wiese zu rutschen, essbare Hälmchen zu knabbern, Weidenrinde zu trocknen, Äpfel zu vergären.
Zu keiner Minute bereute ich den Umzug, und ich liebe die Natur wie am ersten Tag.
Und doch, es hat sich was verändert.
War unsere Beziehung (Natur + ich) früher so ein „Oh Schatz, ich liege dir zu Füßen und bete deine Herrlichkeit an!“ schlich sich mittlerweile doch so ein gewisses „Morjen, watt jibt‘s n heute zu essen?“ ein.
„Mittendrin im Draußen“ hat mir wieder Augen, Ohren, Herz und überhaupt alle Sinne geöffnet, es ist wieder wie früher.
Das ist mal ein Buch!

(merula)

Boarhammer – I: Cutting Woods for Magickal Purposes

 

Boarhammer – I: Cutting Woods for Magickal Purposes
Demotape / Eigenproduktion
29:46 min
Black Metal

Das dunkle Duo Boarhammer hat eine Kassette veröffentlicht, die mich vor Freude im Dreieck springen lässt. Black Metal in seiner reinsten Form steht auf dem Programm; es scheppert und rappelt ordentlich, was durchgehend als Kompliment zu verstehen ist.
Die Band vermeidet dankbarerweise jede Soundpolitur, und hinter der rauen Schale erscheinen verzaubernde Gitarrenläufe und schön headbangige Rhythmen.
Der Gesang klingt gar nicht mal wirklich genau so, erinnert mich aber von seiner Art her an Tschösi auf den beiden für die Ewigkeit legendären ersten Messiah Alben.
Überhaupt entsteht hier ein wunderbares Old School Gefühl; die Musik klingt, als hätte man 1996 eine Black Metal Kassette einer guten, aber unbekannten Band bestellt, und zwar nicht in Skandinavien, sondern eher in Osteuropa oder so.
Recht so!
Alles an diesen wundervollen dreißig Minuten klingt authentisch, dunkel, seriös und gefüllt mit glühendem metallischen Herzblut.
Auch die Attitüde bereitet Freude, kurz gefasst möchte man mit beispielsweise Rassismus, Misogynie, Sexismus, Faschismus nichts zu tun haben.
Die sechs interessanten und hochwertigen Eigenkompositionen werden noch von einer ungewöhnlich, aber toll umgesetzten Mercyful Fate Coverversion abgerundet.
Herz, was willst du mehr.
Stand März 2022 sollten noch ein paar Tapes zu bekommen sein, also husch husch auf zum Bandcamp!
https://boarhammer.bandcamp.com/album/i-cutting-wood-for-magickal-purposes

(merula)

Scorpions – Rock Believer

 

Scorpions – Rock Believer
Vertigo
44:31 min
Hard Rock / Heavy Metal

Um Himmels Willen, was soll denn das für ein Cover-Un-Artwork sein?!
Liebe Scorps, diese Scheibe wird sich, Downloads eingeschlossen, bestimmt mehrere Hunderttausend mal verkaufen, ist das erste offizielle Album seit sieben Jahren und bestimmt hattet ihr auch eine(n) Berater(in), oder gar zwei, für diese ersehnte Veröffentlichung.
Und dann eine schreiende Frau mit einer Tüte oder Gardine überm Kopf?
Zugegeben, das ist nicht das schlimmste Cover eurer großartigen Karriere, doch als Kompliment ist das bitte nicht zu verstehen.
Das mit den Komplimenten beginnt genau jetzt, denn alls andere an diesem Album ist einfach großartig.
Jeder einzelne Song ist ein mittlerer bis guter Hit. Dass kein Welthit dabei ist, bestätigt eher den sehr gehobenen Durchschnitt dieses immerhin Weltklasse-Albums.
Abzüglich besagter Balladen und globaler Schlager, erinnert „Rock Believer“ am ehesten an „Love at the first Sting“ und gar „Black Out“, aber mit einem sogar noch wärmeren Rock Sound versehen.
Nach dem stimmungsvollen Abgeher „Gas in the Tank“ und seinem Nachfolger „Roots in my Boots“ folgen auch melancholischere Lieder wie „Knock em Dead“ oder „Call of the Wild“ im Wechsel mit herzerwärmenden, optimistischen Rockern wie dem Titelsong und dem wohl größten Knaller des Albums, „Peacemaker“. Und ja, das letzte Lied ist eine Ballade. Sie heißt „When you know (Where you come from)“ und orentiert sich definitiv an keiner Hitparade dieser Welt.
Bewundernswert.
Das Album gibt es auch als limitierte Doppel CD mit Studio-Bonustracks. Kann man haben, aber der Hörgenuss wird auch kein Deut schlechter ohne.
Abschließend eine persönliche Entschuldigung.
Scorps, nachdem der Death Metal aufkam, und erst recht, nachdem Mitte der 1990er Jahre der quasi-elitäre Black Metal mich gefangennahm, stieg ich ein in den Chor, der euch verhöhnte und verbal zerfetzte, ich machte mich lustig über euer gefühlt altbackenes Image und den Akzent von Klaus. Als wären nicht der griechische Akzent von Nana Mouskouri und der französische von Mireille Mathieu gerade erst der Kaufanreiz für Millionen Fans im deutsschprachigen Raum.
Dabei wollte ich doch nie mit dem Strom schwimmen. Aber gut, ich besann mich vor einigen Jahren wieder, dachte an all die Momente in den 1980ern, als die Band „Eisenherz“ aus Frankfurt (Oder) am Strand des Helenesee live „Big City Nights“ spielte und ich mit Netzhemd und Röhrenjeans in den Spagat ging und headbangte, dabei Luftgitarre spielte, was nur das Zeug hielt.
Scorpions, ich liebe euch. Für immer.

(merula)

Arcane Sun – Arcane Sun

 

 

Arcane Sun – Arcane Sun
Sentinel Records
64:13 min
Epic Death / Doom Metal

Na gut, das hier ist eigentlich keine wirkliche Neuveröffentlichung, aber eine angemessene Würdigung dieses sträflich unterbewerteten Albums tat bitter Not , und da das rührige Label Sentinel Records von Brian Taube ganze Arbeit leistete, dem Debutalbum der Dubliner Metal Vorreiter ein neues Coverartwork, einen Bonustrack sowie einen viel besseren Sound verpasste, und viele etwas jüngere Metalheads das lange vergriffene Album sowieso nicht kennen, ordne ich es einfach mal unter „neu“ ein.

Das durchweg hochklassige bis ausgezeichnete Songmaterial besticht durch große Vielfalt und progessive Strukturen, alles jedoch immer headbangerfreundlich und nie verkopft.
Glaubt man im ersten Lied „Canto I (The Search)“ noch freundlichen, etwas kumpelhaften Death Metal mit wohligen Melodien zu erkennen, wechselt das Bild mit dem anschließenden „I Was Alive Then …“ zu großer Epik und schicksalsgeladener Dramatik. Und übrigens hat man kaum jemals vorher (und auch nicht nachher) einen so interessant inszenierten Songübergang bzw. Anfang gehört.
„Sundrenched“ beginnt als heftiger Death Metal Nackenbrecher, bevor sich das Stück in Melodie und Melancholie kehrt.
Neben der überragenden Gitarrenarbeit von Mr. Fergal Flannery muss auch Mark Higgins‘ superbes, und im neuen Sound viel druckvoller klingendes, Schlagzeugspiel hervorgehoben werden.
Klavierpassagen und Naturgeräusche wechseln sich ab, wie es getragener Doom, deftiger Death und anmutiger Epic Metal tun.
Und über allem thront die unverwechselbare Stimme von Paul Kearns, der etliche Jahre später den legendären Solstice zu best gesungenen Platte ihrer Karriere verhalf.
„Promised (So Many Years Have Passed)“, der reguläre Abschluss des Albums, bringt noch einmal das gewaltige Potential der Iren zum Ausdruck, die sich leider nach einem mehr oder weniger unveröffentlichten Zweitwerk aufgrund mangelnder Unterstützung auflöste.
Der Bonustrack vom von der Band (bzw. Paul) ungeliebten Albumnachfolger beschließt diese wundervolle, grenzenbrechende CD.
Paul Kearns und Fergal Flannery, bitte tut es wieder!!!!

(merula)

Categories: Neu

Abo Alsleben – MAYHEM LIVE IN LEIPZIG. Wie ich den Black Metal nach Ostdeutschland brachte.

 

 

Abo Alsleben – MAYHEM LIVE IN LEIPZIG. Wie ich den Black Metal nach Ostdeutschland brachte.
bookra Verlag 2020

Das sympathische Szene-Urgestein Abo Alsleben, den meisten hier sicher auch noch von seinem coolen “Cadaver, Corpse & Bowels” Zine her bekannt, holte im Jahre 1990 Mayhem nach Ostdeutschland und beschreibt in diesem wunderbaren Buch ein Stück Leben aus der damaligen Zeit, wie es viele DDR-Metaller sicher noch gut kennen.
Die ersten Kontakte mit Euronymous, dann die Konzerte in der gerade erst untergegangenen DDR, schließlich das Desaster.
Während des Lesens war ich für eine kurze Zeit selbst wieder in jener Zeit an jenem Ort, eine höchst liebevolle, amüsante, politische, metallische, nachdenkliche, interessante Zeitreise.
Die spannenden Berichte, Abenteuer und Episoden sind gespickt mit anbetungswürdigen Fotos und Briefkopien.
Kostet 20 Glocken und ist jeden Heller wert!

(merula)

Fornhem – Stämman Från Berget

Fornhem – Stämman Från Berget
Trollmusic
49:11 min
Viking / Black Metal

Roher Sound und große Melodien bilden nicht nur eine schönes Paar, sondern auch einen angenehmen Kontrast zu War Metal auf der einen und Symphonic Wacken Metal auf der anderen Seite.
Bestes jüngstes Beispiel sind Fornhem aus Norrköping, deren Erstling „Ett fjärran kall“ schon zu begeistern wusste, das vorliegende zweite Album jedoch sofort in die erste Liga meines Herzens aufschloss.
Mit knisterdem Feuer und düsterem Lachen beginnt der Opener „Den Längsta Dagen“, ein prächtiges Stück Viking Metal in seiner machtvoll stampfenden Midtempo-Form.
Das ebenso schlichte wie vollkommen ergreifende Gitarrenthema wird geistvoll weiterentwickelt. Ganz langsam, Stück für Stück immer dramatischer und ausgefeilter, leitet es in den rasend schnellen Mittelteil des Liedes über.
Unterstützt von pumpenden Drums, einer krächzenden Gesangsstimme und einem rohen, doch transparenten und erst recht druckvollen Sound geht dieser Song, geht dieses Album tief unter die Haut.
Elf Minuten dauert dieses Wunderwerk, bevor es die Tore öffnet zum schnellen Nackenbrecher „Uþarba spa“, bei dem ein weiteres Mal die tolle Schlagzeugarbeit auffällt.

Flirrende Gitarren und melodische Bassgitarren-Akzente kündigen „Förlist“ an, ein zehnmütiges, repetitiv-meditatives Epos der Sonderklasse. Gerade dieses repititive Element bringt mich, ähnlich „Hvis lyset tar oss“, schon fast zur Extase.
Der anschließende Titelsong legt dann wieder mit einem Tempo los, dass mir nur ein breites Wohlfühllächeln im Gesicht stehen bleibt. Junge, wenn deren Drachenboot so abgeht, dann überholen sie den schärfsten Nordwind, ohne mit der Wimper zu zucken!
„Untergang“ lautet der Name des abschließenden Werkes dieses Albums, ein packendes Stück Musik, ein Instrumental, von dichter, spannungsgeladener Dramatik, besonders auffällig hier die schaurigen, unheilverkündenden Trommeln des Schicksals.
Selbstverständlich für Trollmusic, ist die Musik in einem ansprechenden Äußeren verpackt, und der tolle Sound wurde vom Meister Devo Andersson perfekt gezaubert.
Es gäbe noch so viel zu erzählen zu diesem Album, aber ihr wisst schon, was Frank Zappe sagte: Über Musik zu schreiben ist, wie über Architektur zu tanzen.
Weshalb ich mich jetzt noch schnell aufmache zu einer Stunde Polka im Kreiskulturhaus, und ihr könnt euch derweil dieses Album zulegen.

(merula)

Jiri Brabenec / Zdenek Vesely – Gestrandet bei der Sonne Epsilon

 

Jiri Brabenec / Zdenek Vesely – Gestrandet bei der Sonne Epsilon
Utopischer Roman, 1961

Ich lese recht viele Bücher, aber um mir mal eine persönliche Spezialität zu schaffen, entdeckte ich vor einiger Zeit das Revier „Osteuropäische (inkl. DDR) Science Fiction Literatur bis 1990“, ein interessantes und ergiebiges Fachgebiet.
Zu den erlesensten Veröffentlichungen dieses Subgenres gehört zweifellos „Gestrandet bei der Sonne Epsilon“, ein tschechoslowakisches Buch aus dem Jahre 1961.

Eigentlich soll die Raumfahrergruppe auf einem noch namenlosen Planeten jener Sonne, elf Lichtjahre von der Erde entfernt, nach den Spuren einer verschollenen Expedition suchen – gerät dann jedoch selbst in Not und havariert schwer.
Die einzige Möglichkeit zum Überleben besteht darin, sich in einem kleinen Raumgleiter vom zum Untergang verurteilten Mutterschiff zu lösen und auf dem Planeten zu landen.
Aufgrund der begrenzten Tragkraft kann nur das Allernötigste mitgenommen werden, und als auch noch dieses Gefährt havariert, und die Rettungsschirme eingesetzt werden müssen, besitzt jede(r) nur noch das, was er / sie am Leibe trägt.
Zudem wird die Gemeinschaft auch noch getrennt in eine größere Gruppe von ca. 20 Personen und eine kleine von nur drei, die weit hinter der nächsten Bergkette landen.
Ob sie überhaupt überleben, weiß man nicht.
Der größere Teil, das erfährt man gleich, notlandet halbwegs wohlbehalten auf der Planetenoberfläche und sieht sich, da dieser Himmelskörper recht erdähnliche Bedingungen aufweist, auch mit einer der Erd-Urzeit (Tertiär / Quartär) ähnlichen Fauna und Flora konfrontiert.
Zwei Seiten hat dieses Paradies, nämliche eine überquellende, unangetastete und nahrungsspendene Natur, aber auch mächtige und gefährliche Tiere.
Die so sehr erdähnliche Biologie mag vielleicht ein klein wenig übertrieben wirken, fällt aber nicht ins Gewicht, und an sich finde ich das Konzept der konvergenten Evolution absolut schlüssig.
Ganz besonders interessant wird dann die Evolution der Technologie der Siedler, die glücklicherweise allesamt eine überdurchschnittliche Bildung genossen.
So wird der Weg vom spitzen Stock zum Schmiedewerk mitreißend und nachvollziehbar realistisch beschrieben, wobei eine Prise trockener Humor nicht zu kurz kommt.
Ganz anders geht es den restlichen Raumfahrern – eine Frau, zwei Männer – die weit entfernt auf der Rückseite der Bergkette landen.
Lediglich zu dritt, ohne alles und dem Ende nahe, sehen sie sich mit einem herannahenden Winter in den Bergen konfrontiert, den sie augenscheinlich erst einmal ohne Feuer in einer Höhle verbringen müssen.
Wie wird das alles wohl enden?
Das zu erfahren, wird nicht ganz billig, denn das Buch ist rar und kostet üblicherweise zwischen 30 € für eine etwas lädierte oder leicht verschmutzte Ausgabe und knapp 100 € für eine erstklassige.
Die lädierte tut es natürlich auch und ist absout jeden Cent wert.
Eine interessante Besonderheit: Jeder den ich kenne, der dieses Buch schon las und es (im Gegenteil zu mir) schon seit der Kindheit sein Eigen nennt, liest es immer und immer wieder einmal, oft sogar regelmäßig alle paar Jahre.
Durchaus nachvollziehbar.
Mein Dank gilt Frank für diese Empfehlung!

(merula)

Count Raven – The Sixth Storm


Count Raven – The Sixth Storm
I Hate
73:32 min
Heavy Doom Metal

Sänger Dan Fondelius als Ozzy Plagiat zu bezeichnen, ist ebenso unangebracht wie jegliche Vergleiche zu den düsteren Birminghamern zu leugnen.
Count Raven klingen eigenständig und, mal nebenbei gesagt, auch absolut großartig, aber beim Anhören ihres neuen (sechsten) Albums kann man sich nicht dagegen wehren, über das Thema nachzudenken.
Wenn überhaupt vergleichen, dann wirklich mit den ersten fünf Black Sabbath Alben, oder nicht sogar eher mit den ersten drei Ozzy Alben? Schande über den, der diese drei Werke gegenüber der Mutterband abfällig behandelt.
Nun denn, das neue Langeisen beginnt mit grandiosem Doom Metal der Heavy Metal rockenden Art – dass die Band ihren Doom weit entfernt von den Extremen Funeral und Death Doom zockt, dürfte bekannt sein.
Deftige, packende HEAVY Riffs treffen auf stimmige Refrains, und das alles vortrefflich verpackt in einen zermalmenden Sound, der nicht ein bisschen modern und doch so kraftvoll und klar klingt.
Hervorragend!
Im ersten Teil, um auf das Eingangsthema zurückzukommen, eher Black Sabbath, bis das vierte, außergewöhnliche und untypische Lied „Heaven‘s Door“ die geneigte Hörerin ganz berüht zurücklässt.
Ab da wird es, wenn ich das bitte so sagen dürfte, noch Ozzy-hafter im Sinne seiner frühen Solo Alben.
Also einerseits hitverdächtiger und Refrain orientierter.
Aber speziell, wer in seinem Leben schon einmal längere, schwere und schlimme Zeiten in ungesunder Beziehung zu Substanzen durchlebt, durchkämpft hat, sieht die frühen Ozzy Platten noch einmal in einem ganz anderen Blickwinkel als es der glückliche Durchschnittsbürger tut.
Diese Balance, diese Paarung aus zutiefst tragischen, traurigen, bitteren Parts mit dem kleinen Lächeln obendrüber. Betroffene wissen, was ich meine.
Auf diese Art dramatish und melancholisch wendet sich also das Liedmaterial ein wenig und findet im ergreifenden „Baltic Storm“ einen glänzenden Höhepunkt, für den allein ich die Platte schon kaufen würde.
Auf das lange und epische „Oden“ folgt der letzte Song „Goodbye“, und hinterlässt die Verfasserin dieser Zeilen sprachlos, mit salzhaltigem Wasser in den Augenwinkeln.
Erinnerungen werden wach, Songtitel wie „Changes“, „So Tired“, vor allem aber auch „Alone You Breathe“ (Savatage) drängen sich auf.
Brillant.

(merula)

Metallica – Ride the Lightning vs. Master of Puppets

Metallica – Ride the Lightning vs. Master of Puppets
oder: Warum „Ride“ die bessere Platte ist.

Coverartwork

Ride the Lightning besticht in betörendem Blau, Master of Puppets‘ Cover ist aber dermaßen ikonisch, das der Punkt an „Master geht.

Ride: 0 Master: 1

Intro

Das Intro zu „Fight Fire with Fire“ ist ein fester Teil meines Lebens, und da ich es hörte, als seinerzeit (1985) gerade der erste Schnee fiel, denke ich seitdem bei Schnne immer an dieses epochale Album.
Musikalisch gesehen ist das Intro zu „Master of Puppets“ noch weitaus spannender und dramatischer. Auch dieser Punkt geht an „Master“.

Ride: 0 Master: 2

Erstes Lied

„Fight Fire with Fire“ oder „Battery“? Eine Entscheidung ist nicht möglich, beide bekommen einen Punkt.

Ride: 1 Master: 3

Zweites Lied

„Master of Puppets“ ist besser komponiert, „Ride the Lightning“ jedoch härter und dramatischer.
Je ein Punkt für beide.

Ride: 2 Master: 4

Drittes Lied

„The Thing that Should Not Be“ ist geil, „For Whom the Bell Tolls“ jedoch eine der größten Bandhymnen.
Ein Punkt für „Ride“.

Ride: 3 Master: 4

Viertes Lied, die Ballade

„Welcome Home (Sanitarium)“ ist großartig, „Fade to Black“ jedoch göttergleich.
Ein Punkt an „Ride“.

Ride: 4 Master: 4

Fünftes Lied, Opener der B-Seite.

„Trapped Under Ice“ geht ab wie eine Rakete, „Disposable Heroes“ ist dann aber ein wütendes, verzweifelt anklagendes Werk der absoluten Extraklasse.
Punkt an „Master“.

Ride: 4 Master: 5

Sechstes Lied, der „Filler“

Wenn wir hier von einem schwächeren Song reden, bedeutet das natürlich, dass diese beiden Lieder nur 10 von 10 Punkten bekommen würden, nicht 11 von 10.
„Leper Messiah“ ist trotz Längen aber besser als „Escape“ mit seinen unerklärlichen Trommelschägen neben der Reihe.

Ride: 4 Master: 6

Achtes bzw. siebtes Lied, das Instrumental

„Orion“ ist atemberaubend, düster und anrührend. Gegen den Jahrhundertsong „Call of Ktulu“, das vielleicht beste Metal-Instrumental der 200.000 Jahre alten Menschheitsgeschichte, kommt es jedoch nicht an.

Ride: 5 Master: 6

Siebtes bzw. achtes Lied – was halt übrig bleibt

„Damage, Inc.“ ist cool, „Creeping Death“ aber eine der größten Bandhymnen überhaupt.
Ich war in Lissabon bei einem Straßenfest der Arbeiterpartei. Was spielte die Band dort? Selbstverständlich „Creeping Death“, nicht „Damage, Inc.“!

Ride: 6 Master: 6

Sound

Der arg komprimierte Sound auf „Master of Puppets“ geht mir gehörig auf den Keks und hat keine Chance gegen den ungeschliffenen Brachialsound von „Ride the Lightning“.

Ride: 7 Master: 6

Gesamteindruck

Zwei Meilensteine, zwei anbetungswürdige Jahrhundertwerke.
Aber die rohe Urgewalt und das Ungestüm von „Ride the Lightning“ gingen danach verloren.

Ride: 8 Master: 6

Der Gewinner ist also eindeutig „Ride the Lightning“!
„Kill Em All“ liebe ich abgöttisch, habe ich hier aber nicht bewertet, da ich nur die beiden naheliegend gut vergleichbaren Alben besprechen wollte.
„… And Justice For All“ wäre sehr wohl vergleichbar, fällt für mich aber aufgrund seiner Langatmigkeit und der Frechheit gegenüber Jason vollkommen aus dem Rennen.
„Metallica“ ist ein tolles, fantastisches Heavy Rock Hit Album, passt aber nicht an diesen Ort.
Alle weiteren Alben sind weit von jeglicher Genialität entfernt, gleichwohl sind sie aber auch ganz gut; ich höre sie so ein bis zwei Mal im Jahr. Alle, auch „Lulu“ und „St. Anger“. So schlecht sind die nicht.

(merula)

Die Apokalyptischen Reiter – Soft & Stronger

Die Apokalyptischen Reiter – Soft & Stronger
Ars Metalli
40:02 min
Reiter Metal

Die Geschichte der besten Band beginnt mit einem Pferdewiehern, und das ist auch gut so.
Klar, vorher gab es ein spektakuläres Demo und eine ebenso zufällige wie liebens- und glaubenswerte Story zur eigentlichen Bandentstehung, aber ein Pferdewiehern plus Bassgitarrentöne leiten das Album ein, das der Thüringer Formation den Weg zu einer weltumfassenden Karriere ebnete.
„Iron Fist“ zeigt, wo es lang geht, aber erst mit dem nächsten Lied „The Almighty“ zieht das Reitervolk alle Register: Abwechslungsreicher, deftiger und derber Death Metal mit epischen Einschüben, klassischen Piano-Passagen und vor allem dem genialen, prägenden Wechselgesang zwischen tiefen Growls (Eumel) und abartigem Kreisch (Skell).
Weiter geht die wilde Jagd mit „Execute“ und „Downfall“ bis hin zu „Metal will never die“, einer der größten Hymnen an den Metal selbst. Dass das Lied genau so ernst gemeint war wie ähnliche Songs von Manowar, begriffen damals leider nicht alle und hielten das alles für einen ärgerlichen Spaß. Verlogenes Pack – als würdet ihr am Wochenende in der Disco „Fast as a Shark“ mit herunterhängenden Mundwinkeln hören!

In dieser frühen Phase spielte die Band selbstverständlich noch nicht so reif und ausgeglichen wie ab den 2000ern, hackte oft auch wild drauf los, aber genau das war das Außergewöhnliche an dieser einmaligen Combo: In einer Welt, von der man dachte, alles an Black, Death, Heavy, Thrash, Speed Metal sei bereits gesagt, drängeln sich vier Jungs von ihrem Proberaum aus ungestüm direkt nach vorne in die erste Reihe, weiter und weiter. Beeindruckend bis zum heutigen Tage – und auf diese eine gewisse Art und Weise auch ihr bestes Album. Revolutionär.
Duplizieren ließ sich das nicht, und das wussten die schlauen Reiter und beschritten von nun an einen Pfad der metallischen Wechselhaftigkeit, der je nch Geschmack als genial oder anstrengend, allerdings niemals als mittelmäßig empfunden werden kann.

(merula)